



Rumänien hat eine bewegte Geschichte zwischen verschiedenen Kulturen erlebt. Etwa 100 n. Chr. war es als Provinz Dacia dem Römischen Reich angegliedert. Wichtigstes Zeugnis davon ist noch heute die Sprache: Als einziges osteuropäisches Land hat Rumänien eine romanische Sprache.
Nach den Römern wurde das Land von verschiedenen germanischen Wanderstämmen und Ungarn regiert, kam dann vom 10. bis Anfang des 19. Jahrhunderts unter osmanische Oberhoheit, bevor es 1859 mit der Vereinigung der Fürstentümer Walachei und Moldau zum Königreich Rumänien unabhängig wurde.
Nach dem Sturz der faschistischen Regierung 1944 durch den eigenen König Michael wurde Rumänien für die Sowjetarmee geöffnet und Deutschland der Krieg erklärt. 1947 zwangen die Kommunisten den König zur Abdankung und errichteten eine seitdem fest im Ostblock verankerte Volksrepublik.
1965 wurde Nicolae Ceausescu Führer der kommunistischen Partei und erster Mann im Staat. Er entpuppte sich als stalinistischer Diktator, der das Land mit eiserner Hand regierte und ausbeutete. Unter der Bevölkerung entstand große Lethargie. Oppositionelle und auch nur im Ansatz anders Denkende (wie z. B. Christen) wurden mit aller Härte verfolgt, in Gefängnisse und Arbeitslager gesperrt. Auch vor Folter und Mord schreckte das Regime nicht zurück, das vor allem durch den allgegenwärtigen Geheimdienst „Securitate“ Angst und Schrecken verbreitete.
Bei dem im Gegensatz zu den anderen Ostblockländern blutig verlaufenden Aufstand im Dezember 1989 wurden Ceaucescu und seine Frau von einem Standgericht verurteilt und erschossen.
In der nachkommunistischen Zeit der 90er Jahre hat sich Rumänien mühsam einen Weg aus den Folgen jahrzehntelanger Diktatur und Misswirtschaft gebahnt. Vorherrschende Partei in den Jahren nach der Revolution wurde die sozialdemokratische PSD (Partidul Social Democrat). Die PSD setzte sich größtenteils aus den alten kommunistischen Eliten zusammen.
Dennoch entschloss sich Rumänien fortan zu einem demokratischen und marktwirtschaftlichen Kurs. Außenpolitisch öffnete es sich für den Westen. Im Jahr 2004 trat Rumänien der NATO bei. Bei den Präsidentschaftswahlen 2004 trug Traian Basescu den Wahlsieg davon, unterstützt von einer Mitte-Rechts-Koalition.
Ein wichtiger Wendepunkt stellte der Beitritt Rumäniens 2007 zur Europäischen Union dar. Daraus resultierte ein großer wirtschaftlicher Aufschwung. Viele westliche Investoren verlagerten ihre Produktion nach Rumänien. Das Wirtschaftswachstum betrug seit 2001 bis zu der globalen Finanzkrise 2008 jährlich durchschnittlich 5 Prozent.
Internationale Finanzinstitute und EU-Programme fördern seit 2007 den Infrastrukturaufbau und Energieprojekte. Infolge der Finanzkrise geriet jedoch auch Rumänien Ende 2008 in finanzielle Schwierigkeiten. Mitte März 2009 gewährte der Internationale Währungsfonds (IWF) Hilfen von knapp 13 Milliarden Euro.
2009 legte eine mehrere Monate währende Regierungskrise, bei der es zu Streitigkeiten zwischen den Parteien bei der Regierungsbildung kam, das Parlament zeitweise lahm. In den Wahlen 2009 wurde erneut Traian Basescu im Amt bestätigt.
Trotz Aufschwung ist Rumänien immer noch eines der "Sorgenkinder" der Europäischen Union. Erst im März 2010 erteilte die EU dem Land eine Rüge, da es besonders im Kampf gegen die Korruptionsbekämpfung auf der Stelle tritt. Viele ranghohe Politiker sind verwickelt in Korruptionsskandale. Die Justiz ist noch nicht unabhängig.
Problematisch erweisen sich auch die stark steigenden Lebenshaltungskosten im Verhältnis zu dem geringen, wenngleich langsam steigenden Durchschnittseinkommen der Rumänen (347,80 Euro im Januar 2010). Zudem leidet das osteuropäische Land unter Abwanderung. Geschätzte 3,4 Millionen Rumänen haben eine Arbeit im Ausland angenommen. Oft bleiben die Kinder bei ihren Großeltern zurück, man spricht bei diesem Phänomen von den neuen "EU-Waisenkindern".